Der Urlaub ist erst einmal vorbei…

Uns ist nix passiert, keine Angst. Wir haben “nur” nen Job gefunden, für den wir jetzt mal vier oder fünf Wochen Pause machen mit dem Reisen. Wie wir es von Deutschland aus geplant hatten, haben wir einen Job in der schönen Weinregion Barossa Valley nördlich von Adelaide gefunden. Wir sind nun Grapepicker für die hier namenhafte Rockford Winery. Wir wohnen hier auch direkt umgeben von all den Vineyards (Weinbergen) und sehen und träumen von nix anderem mehr. Aber das ist auch echt toll. Insgesamt sind wir 18 Picker [elf Deutsche, darunter fünf Sachsen, zwei aus London, eine aus Honkong, einer aus Südkorea und drei Kanadier (1x english, 2x french)], die allesamt im “Bamboo-Camp” leben. (Der Name kommt daher, dass dort Bambus wächst und wir dadurch einen Wetterschutz, Schuhregale, Kühlschrankbretter und Musikinstrumente gebaut haben.) Mittlerweile sehen wir Wein mit ganz anderen Augen und wissen nun auch, warum hand-gelesene Weine “etwas” teurer sind.

Das Barossa Valley hat sehr viele deutsche Einflüsse, da sich hier Mitte des 19. Jahrhunderts viele schlesische Alt-Lutheraner ansiedelten. Die Zuwanderer brachten ihren Wein gleich mit und so entstanden zahlreiche Weinberge und Winzereien (kleine Auswahl deutscher Namen: Peter Lehmann, Wolf Blass, Kellermeister und Jenke). Toll ist auch, dass hier “deutsche” Bäcker und Fleischer sind, die zwar nicht so ganz das machen, was wir aus Deutschland kennen, aber als kleinen Ersatz gegen Toastbrot ist das schon super. Außerdem sind auch Orte, Straßennamen und Attraktionen der Umgebung leicht deutsch angehaucht, z.B. Berg namens little Kaiserstuhl, Ort wie Siegersdorf oder Blickinstal, Straßen: Krondorf Road und Steingarten Road.

Die Winery (Winzerei), für die wir arbeiten, hat einen sehr sehr guten Ruf hier in der Gegend. Sie vertreiben ihre Weine auch nur in Australien und dann noch nicht mal in den normalen “Bottleshops”, sondern nur über Bestellung oder Direktverkauf hier im Ort. Das haben sie nicht nötig, wurde uns gesagt. Und immer wenn wir hier von Einheimischen gefragt werden, für wen wir arbeiten und wir sagen dann Rockford, dann bricht immer ein Riesenjubel aus. Ich (Sabrina) war letztens in einer Küche auf dem Campingplatz und traf dort aus drei australische Ehepaare, die nach meinen ersten Satz gleich fragten, woher ich komm und was ich so smache und vorhabe. Also ich sagte, dass wir hier in der Gegend als Grapepicker für Rockford arbeiten, brüllten sie auf einmal los, dass ich und all die anderen in der Küche richtig erschraken. Und Matthi, der grad unter der Dusche stand (ein Haus weiter, ca. 15m entfernt) konnte dies auch hören…

Ja und gestern Abend (Sonntag) kamen wir dann auch mal in den Genuss, den Wein zu trinken. Sonst beißen wir ja “nur” direkt in die Traube. Aber gestern gab es ein großes BBQ bei unserem Chef Butch Hahn daheim. (Butchs Vorfahren sind Deutsche, daher der Name Hahn. Er ist die 5. Generation und das einzige Wort, was er auf Deutsch kennt ist Bengel und jetzt auch Eimer – Wir füllen immer jeder zwei Eimer und wenn einer voll ist, ruft man Bucket oder Eimer (weil so viele Deutsche hier sind) und diese werden dann von einem der starken Männer geholt und auf den großen Anhänger in den Bin (2 Tonnen fassende Tonne) gekippt.Butch hatte von jeder Weinsorte mind. eine Flasche da und jeder durfte trinken, wo nach ihm war. Blöd nur, dass er voll auf dem Land wohnte und die Fahrer unter uns etwas zurückhaltender sein mussten. Aber bei dem Essen, was wir dann noch hatten, war das dann wieder ausgeglichen. Voll lecker. Das BBQ klang dann mit dem ersten Rennen der Formel 1 in Bahrain aus, was bei uns 22:30 startete.

Achja, langweilig wirds hier natürlich nicht, auch wenn wir jeden Tag acht Stunden arbeiten. Denn in den Weinbergen leben viele Tiere… giftige Schlangen, die wir bis jetzt nicht gesehen haben, weil sie zum Glück mehr Angst vor uns haben, viele Echsen, die uns angucken, wenn wir die Blätter zur Seite rascheln, viele grüne Grashüpfer, die erst bemerkt werden, wenn sie schon wegspringen, sehr sehr viele red-back-spider, von denen man sich ja schon fern halten soll, andere Spinnen, die mal braun und haarig und dann mal grau und riesig sind… achja und nicht zu vergessen die Trauben-fressenden Hunde der Weinbauern, die sehr oft ihre Streicheleinheiten von uns einfordern. 🙂

Ja und zum Schluss gibt es jetzt noch ein grafische Eindrücke, damit ihr seht, wie hart es ist, als Grapepicker zu arbeiten. Es ist schon ganz schon krass, 6 bis 7 Tage, acht Stunden bei 25-35 Grad direkt in der Sonne zu arbeiten. In unserem Arbeitsvertrag mussten wir unterschreiben, dass wir uns mit mind. 30+ Sonnencreme täglich mehrmals einschmieren und bestenfalls lange und luftige Sachen tragen sollen…

Also dann, bis bald wieder… macht euch keine Sorgen, wenn im März nichts mehr von uns kommt, wir sind immer noch am Arbeiten.

see ya

6 comments to Der Urlaub ist erst einmal vorbei…

  • Klara, Sabine & Hoschy

    Na Ihr beiden,

    da habt ihr alles richtig gemacht. Perth ist ja eine einzige Katastrophe im Moment. Regen ohne Ende. Da geht es von einem Extrem ins nächste. Erreichen sollte euch das Ganze ja nicht, weit wie ihr weg seit.
    Übrigens, Enni hat einen Job und fängt am 01. April in Halle an. Mehr dazu, wenn ihr wieder da seid. Wie lange ist es eigentlich noch?
    Schöne Grüße!
    Die Hegelstraße 22

  • Nile

    my dear friends, still 47 days…

  • Anita

    Na ihr…hab grad Nachrichten geschaut und an euch denken müssen…ich hoffe, euch hat das Unwetter nicht weggewedelt oder verbeult. LG aus LE 🙂

  • Markus L....

    Sag mal Hirsch du hast wohl meine Echse aus der Wohnung von früher mitgenommen!? Sind doch Bartagamen oder? Also die auf dem einen Bild!!!

    Na dann immer schön fleißig sein und nicht verbrennen!

    Bye Markus

  • Klara, Sabine & Hoschy

    Bild 13: War wohl ne lange Nacht, mein Hirsch. Ich kann es dir an den Augen ablesen. 😉

  • Klara, Sabine & Hoschy

    Ja ja, die Weinernte ist schon was schönes und das Leben in einer Weinregion was ganz besonderes. Endlich arbeitet ihr auch mal. Ich dachte schon ihr ruht euch nur aus. Und wieviel Deutsche, elf. und noch jede Menge Sachsen. Da kommt man sich ja glatt heimisch vor. Wenn es euch packt und ihr vom Wein nicht genug bekommt hier noch ein kleiner Tip für ein sehr schönes Gebiet nahe Sydney, wenn ihr soweit kommt. Es ist das Hunter Valley. nicht so groß aber mindestens genauso bekannt wie das Barossa Valley. Da findet man jede Menge kleiner Winzer. Aber egal. Habt erstmal viel Spaß.
    Bei uns wird es ganz langsam aber sicher wärmer. Das Wetter spielt so ein bisschen mit uns. Mal Sonne, mal Schnee , mal regen oder auch mal alles zusammen. Letztens schien die Sonne und es schneite, verrückt. Alle freuen sich logischer Weise schon auf den Frühling, es wird auch langsam Zeit.
    Also dann, lasst es euch gut gehen und wir hoffen, bald von euch zu hören.

    Liebe Grüße ans andere Ende der Welt.

    Klara, Bine & Hoschy