Da sind wir nun wieder auf der Fähre Richtung Festland. Die Fahrt geht straff mit 23 Knoten und vorhergesagtem Wellengang mit 5-7 m Wellenhöhe. Ich hoffe, es geht nicht die kompletten 11 Stunden der Überfahrt so rau zu. Die ersten Außendecks wurden bereits geschlossen und ich habe Mühe die richtigen Tasten zu treffen. Soeben begann auch grade die Livemusik in der Lounge, bestimmt um die Passagiere vom Wellengang abzulenken ;-), aber dennoch schmeckt uns das VB (Victoria Bitter = Bier) und die Chips. Ein Crewmitglied meinte nämlich zu uns, dass Chips, trockenes Essen (Sandwiches) und wenig trinken (wenig Bier) ganz gut wären, um den Wellengang heil zu überstehen… naja, wir werden sehen…
Die zwölf Tage in Tasmanien vergingen wie im Flug. Die Insel ist etwa so groß wie Österreich und hat ca. 500.000 Einwohner, also etwa so viele wie Leipzig. Ein Großteil der Insel ist noch ursprüngliche Landschaft mit viel Regenwald und unentdeckten Ecken. Aber um eines vorweg zu nehmen, einen Tasmanischen Teufel haben wir in freier Wildbahn nicht gesehen. Am Morgen nach der Ankunft ging es direkt von der Fähre Richtung Touri Info, blöd nur, dass diese erst 8 Uhr öffnete, aber die Fähre 6:30 Uhr morgens anlegte. Also hieß es Zeit bei einem McDonalds Frühstück überbrücken, naja…
Mit den ersten Infos gefüttert und mit einem Nationalparkpass für die Insel ausgestattet ging es dann los Richtung Cradle Mountain, der höchsten Erhebung von Tassi, wie es die Australier nennen. Die Fahrt ging durch grüne bewaldete Landschaft mit zahlreichen Serpentinenstraßen Richtung Cradle Mountain. Mittags da angekommen konnten wir den Berg schon sehen, der sich nicht im Nebel versteckte, wie an den etwa 280-300 anderen Tagen des Jahres, wie wir von Einheimischen erfuhren. Das Wetter war einfach toll, strahlend blauer Himmel. Dort sahen wir zu unserer Überraschung auch zwei Wombats an Straßenrand spazieren und fressen. Nach einer kleinen Wanderung ging es weiter nach Waratah auf unseren Campingplatz für die erste Nacht. Er wurde von einem lustigen Einsiedler und seiner Frau verwaltet, die gleichzeitig ein Roadhaus im Ort betrieben, das etwa 300 m vom Campingplatz entfernt war. Von anderen Campern erfuhren wir, dass wir dort unsere Gebühr bezahlen müssen und den Schlüssel für die Duschen etc. erhalten. Also gingen wir da hin und erledigten den Kram. Da war auch ein kleiner Teich, von denen ich immer magisch angezogen werde, stimmt’s Sabrina. Grund dafür, da könnte man ja ANGELN. Und da bin ich gleich mal da hin und traf auf Jutta und ihren Mann Cal. Beide leben in Queensland und Jutta ist in den 50er Jahren aus Deutschland übergesiedelt. Es war eine lustige Konversation aus Deutsch und Englisch. Da es abends etwas kalt war, luden uns die beiden in ihren Wohnwagen ein und verköstigten uns mit Tee, Schoki, Keksen und Wärme. Die beiden waren André Rieu Fans und wir mussten uns gleich eine DVD von einem Konzert anschauen. Die waren einfach knuffig und Jutta sprach immer Deutsch, wenn es ihr Mann nicht verstehen sollte, war echt lustig.
Am nächsten Tag ging es weiter nach Strahan an die Westküste. Es war ein kleiner niedlicher Ort, voll auf Touris eingestellt. Man konnte zwischen Rundflug mit einem Wasserflugzeug, Fluss-Cruise oder Fahrt in einer altertümlichen Bahn durch den Regenwald wählen. Aber leider gingen die Preise bei 200 AU$/p.P. los und das passte dann nicht ins Budget. Also Campingplatz suchen und am nächsten Tag weiter. Aber der Ort hatte einen wunderschönen Strand und dieser war auch der westlichste Punkt, den wir auf Tasmanien erreichten.
Am dritten Tag durchquerten wir den größten Nationalpark der Insel, den Cradle Mountain Lake St. Clair NP, mit Ziel Hobart. Es ging durch alte Bergbaustädte, die wie Geisterstädte wirkten und wieder über Berg und Tal, an zahlreichen Stauseen vorbei. Ein Großteil der Energie von Tasmanien wird mittels Wasserkraft erzeugt. Es existiert sogar eine Leitung zum Festland. Am Abend erreichten wir Hobart, die Inselhauptstadt im Südosten. Sie hat ca. 200.000 Einwohner und war für uns nach paar Tagen Wildnis wieder eine Umgewöhnung. Es war einfach hektisch, trotz der Ruhe der Aussis. Auf dem Campingplatz lernten wir wieder ein australisches Ehepaar aus Queensland kennen, die uns mit selbst geangeltem Fisch (Striped Trompeter) und Chips (Pommes) versorgten, hmmm yammiii. Tagsdrauf besichteten wir die Hauptstadt, nachdem sich der morgendliche Nebel gelichtet hatte. Eigentlich wollten wir auf den Mt. Wellington hinauf, um von dort einen grandiosen Überblick über die Stadt zu haben, doch gerade dort hing eine Wolke ganz fest und wir hätten eh nix gesehen. Der Berg ist immerhin ca. 1400m hoch und die Stadt befindet sich direkt an dessen Fuß. Für die größte Stadt Tasmaniens ist sie doch recht übersichtlich und fast niedlich. Also fuhren wir stattdessen eine Runde durch’s Huon-Valley, auch eine Touristenregion südlich von Hobart mit Weinbergen und viel Natur. Wir waren noch auf einem Shot Tower, der früher zur Herstellung von Bleikugeln für Waffen diente. Der Turm war 50 m hoch und sah von unten echt nicht so hoch aus. Aber als wir über ein Holztreppenhaus von 1870 die Aussichtsplattform erreichten, eröffnete sich ein grandioser Blick auf die Umgebung. Der Aufstieg über das hölzerne Treppenhaus war von “Quiiiieeeeetsch, Knartzzzzzz und ZZZZZrrrrrrr begleitet, sodass uns schon etwas mulmig war. Zur Funktion des Turmes. Oben wurde flüssiges Blei durch ein Lochgitter mit unterschiedlich großen Bohrungen gegossen. Durch den freien 50 m Fall wurde eine annähernd ideale Kugel geformt, die unten in ein Wasserbad fiel und abkühlte. Ja, so haben die früher Munition hergestellt.
Am nächsten Tag ging es nach Port Arthur, einer alten Gefängnisstadt mit zahlreichen alten Gebäuden. Wir hatten etwas Glück, denn am Vorabend fragte uns ein älteres Pärchen, ob wir deren Eintrittskarten dafür haben wollen. Die waren zwei Tage gültig und nicht ganz billig. Also fein kostenlos da rein. Es war die größte Anlage auf Tasmanien, wo früher Häftlinge vom Festland und dem Britischen Königreich hingebracht wurden. Die Anlage hatte keine Zäune oder Mauern, sie war einfach durch die Lage am Wasser ausbruchsicher. Im “Eintrittsgeld” 🙂 waren eine Führung und eine Bootsfahrt in der Bucht inbegriffen. Die Führung wurde von James gemacht, der eine sehr extreme Art hatte zu reden. Er betonte jeden Satz gleich am Ende und man konnte ihm nicht länger als 5 Minuten zuhören ohne zu lachen. Aber er zog sein Ding 40 min. straff durch. Nach der Führung schauten wir uns selbst nochmal paar Sachen an und fuhren dann zum Campingplatz. Da konnten wir abends bei einem Nachtspaziergang zahlreiche nachtaktive Beuteltiere sehen. Ich habe die immer mit der Taschenlampe geblendet damit die sitzenbleiben und es hat funktioniert.
Auf der Hinfahrt nach Port Arthur machten wir noch an ein paar Lookouts, wie z. B. Tasman Arch und Devils Kitchen halt. Das waren Schluchten oder Löcher, die das Meer hervorgebracht hat. Auf dem Plan stand eigentlich noch der Besuch einer Forschungsstation für Tasmanische Teufel. Die leiden an einer seltsamen Krankheit im Gesicht, die da erforscht wird. Und da gab es noch zahlreiche andere Tiere, wie in einem Zoo. Aber es scheiterte an der Höhe des Eintrittsgeldes.
Da für den nächsten Tag Regen vorhergesagt war, entschieden wir uns einen Tag mit Autofahren zu verbringen. Also fuhren wir am nächsten Tag Richtung Coles Bay in den Freycinet Nationalpark (NP). Coles Bay hatte nicht viel zu bieten, es war lediglich Ausgangspunkt für den o.g. NP oder für Angeltouren. Hinzu kam das Scheißwetter. Also hieß es rein ins Auto und pennen. Am nächsten Morgen war das Wetter wieder besser und wir konnten den Aufstieg zum Wineglass Bay Lookout machen. Das ist wohl die bekannteste Bucht auf Tasmanien. Als wir am Lookout ankamen frischte der Wind so stark auf, dass wir nicht so ewig lange da bleiben konnten, aber es war schon ein schöner Ausblick.
Danach ging es weiter Richtung St. Helens an der Bay of Fires. Auf dem Weg dahin kamen wir am Nature’s World Zoo vorbei, der im Lonely Planet als bester Naturpark auf Tassi beworben wurde. Und zu unserem Erstaunen war der Eintritt ein wahres Schnäppchen. Also nix wie rein. Es gab zahlreiche Tasmanische Teufel, Kängurus, Wombats, Wallabys, Schlangen, Koalas, Adler, und viele bunte Kakadus und andere Sittiche zu bestaunen. Hier konnten wir auch endlich mal Kängurus anfassen. Die sind echt extrem flauschig und nicht wie ich immer dachte wie eine Bürste. Aber als dann Vater Känguru kam war der Spaß vorbei. Ich glaube mit großen Kängurus hat man im Boxkampf keine Freude. Die sind schon ganz schön massig. Aber wir wussten, dass man sich bei Kängurus klein machen sollte um nicht als Bedrohung zu wirken. Bei Emus ist das umgedreht, da sollte man sich so groß wie möglich machen und zeigen wer der Chef ist.
Es war ein nettes kleines Örtchen mit allem, was man so brauchte. Geschlafen haben wir auf einem freien Campingplatz direkt am Strand. Dort hatten es sich schon 5 Rentner mit einer riesigen “Burg” gemütlich gemacht. Abends tuckerten sogar die Notstromaggregate. Wir versuchten uns mal wieder im Angeln, aber hatten keinen Erfolg und büßten noch unseren Eimer ein, der jetzt in die ewigen Fischgründe eingegangen ist. Am nächsten Morgen standen wir ganz früh auf und gingen zum Strand um den Sonnenaufgang zu genießen. An der Bay of Fires findet man große Felsformationen aus Granit, die einen roten Schimmer haben. Wir dachten, die Bucht verdankt ihren Namen den roten Steinen, die aussehen wie Feuer. Aber später wurden wir von Einheimischen aufgeklärt, dass hier Aborigines Feuer legten als Europäer, wie James Cook, da lang fuhren. Ob sie die vertreiben wollten oder nur Wald abbrannten (was keinesfalls Zerstörung bedeutet), bleibt uns ein Rätsel.
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Nachdem wir die schönen Strände von der tasmanischen Ostküste bei schönem Wetter ausgiebig gesehen und bestiegen hatten, zog es uns weiter zurück in Richtung Norden, wo wir 10 Tage vorher starteten. Es ging direkt durch viele Weinberge (haben wir ja noch nie gesehen 😉 ) und dann wieder bergauf und bergab durch viele viele Serpentinen. Wir fuhren in ein kleines Städtchen namens Georgetown/Low Head. Lustig fanden wir ja, dass die dortige Touristeninfo im Lonely Planet wie folgt beschrieben wurde: “Man trifft hier auf muntere, jedoch planlose Volunteers”. Da dachten wir uns, gucken wir da mal hin. Und die erste Mitarbeiterin erwartete uns schon davor, die gerade eine Zigarettenpause machte. Als sie uns sah, stürzte sie sofort rein in die Info. Und drin strahlten uns zwei ältere Damen an. Nach 30 min unzähligen Infos, Flyern und Gesprächen konnten wir dann wieder die Info verlassen und mussten zurück im Auto erstmal lachen, weil dass was im Lonely Plante stand, echt mal stimmte. Die Gegend hatte aber außer (mal wieder) einen Leuchtturm mit einem wunderschönen Ausblick auf die raue Bass Strait und “frei lebende” Pinguine (für die wir jeder 15 Dollar zahlen sollten, um sie zu sehen), nicht viel zu bieten.
Tags drauf zogen wir dann in Richtung Launceston, der zweitgrößten Stadt Tasmaniens, mit ca. 100.000 Einwohnern, um dort unsere letzten beiden Tage auf Tasmanien zu verbringen. Auf den Weg dorthin kamen wir in einem kleinen Ort namens Beaconsfield vorbei, in dem es eine Goldmine gibt, in der auch noch gearbeitet wird. Dies interessierte uns ein bissl und wir sahen uns das mal noch genauer an. Toll war, dass dort gleich noch so ne Art Heimatmuseum inbegriffen war und wir wurden gleich mal noch in die tasmanische Vergangenheit genommen. Dort sahen wir, wir die Leute dort früher lebten, zur Schule, ins Krankenhaus, zur Erntearbeit gingen, die Anfänge des Bergbaus und natürlich die Goldsuche.
Ja und nun sitzen wir wieder hier auf der Fähre, auf dem Weg zurück zum Festland. Zurück in Melbourne werden wir bei Damo Couchsurfen (bei Ella war leider die Couch schon besetzt)und noch weitere zwei Tage in Melbourne verbringen. Danach wirds weiter in Richtung Ostküste und natürlich Sydney weitergehen. Ja und dort werden wir dann die Julia (eine Schulfreundin von Matthi) besuchen und am 10. Mai die Nile am Flughafen in Empfang nehmen. Ein neuer spannender Monat wirds werden, denn New South Wales und Queensland warten mit schönen warmen Wetter auf uns. 🙂
Hallo, hier meldet sich die laute und staubige Meusi und das kalte regenreiche Leipzig. Ich lese mit Begeisterung die Artikel, die ihr wirklich sehr schön gestaltet und verfasst. Meine Bekannte war jetzt auf einer Weltreise und auch in Australien. Sie teilt die Begeisterung für dieses Land. Aber so wie ihr das gemacht habt, finde ich für junge Menschen ganz toll. So lernt man das Land wirklich kennen. Ich freue mich auf Ihren Besuch. Ab Juli bin ich am Packen und um den 20. 7. erfolgt der Auszug. Aber meine Telefonnummer geht ja mit. Ich grüße Sie ganz herzlich Ihre R.Heil
backs are packed, i´m leaving las leipzig and 48 hours still remains…
then 122 days without you will have an end.
see you =)
Hey ihr zwei,
da habt ihr ja echt viel Zeit auf Tasmanien verbracht. Wir hatten damals einen Tasmanischen Teufel sehen können, als er vor unserem Bus weg gerannt ist 🙂
Dann wünsche ich euch viel spaß an der Ostküste, genießt das tolle Wetter und geht mal schön surfen.
Ganz viele liebe Grüße,
Isa
na ihr lustigen Guys 🙂
vielen Dank für eure Postkarte… es klingt so, als wäre diese zügig unterwegs gewesen.
Während ihr mal wieder eure Touren bestreitet und wahrscheinlich just in diesem Moment euch ne Bleibe gesucht habt, ist unser We vorbei und das Wetter furchtbar schlecht 🙁 es ist kalt und regnet… *Puuuhhhh* ….
Ihr lebt uns ja allen vor, wie schön eine Auszeit sein kann 😀 …
ich hoffe ihr seid im Juli wieder da, dann gibt´s nämlich ne 30iger Party :-O
also bis dahin… passt auf euch auf und „Carpe Diem“