Vom Regenwald ins Red Centre

Die Nicole war noch nicht wieder in Deutschland gelandet, da saßen wir schon wieder bei verschiedenen Tour-Anbietern, um uns eine Schnorchel-Tour zum Great Barrier Reef zu buchen. Grund dafür war eine Information des Wetterdienstes, dass am Samstag das beste Wetter für ein solches Vorhaben sein sollte, d. h. Sonnenschein und kein Wind bzw. keine Wellen. Also keine Zeit verlieren und eine Tour buchen. Gesagt getan. Fünf Traveller-Agenturen abgecheckt und das Beste für unseren Geschmack herausgesucht. Leider waren bereits drei Touren für Samstag ausgebucht. Trotzdem haben wir eine passende Tour für uns gefunden. Schnorcheln an drei Spots am Outer Reef (Äußeres Riff) in einer “kleinen” Gruppe (kleine Gruppe: bis 80 Personen / große Gruppe: bis 400 Personen). Ziel war das Agincourt Reef, nördlich von Port Douglas. Wir wurden 7 Uhr auf unserem Campingplatz in Cairns abgeholt und nach Port Douglas gefahren, wo schon das Boot auf uns wartete. Also von allen noch hübsch pärchenweise ein Foto geschossen und dann ging’s an Bord. Auf unserem Katamaran waren ca. 80 Leute, die sich aber an Bord sehr verliefen, zumal ca. 30 davon tauchen gingen und auf dem Unterdeck Platz nahmen. Dann ging es auch schon raus auf See und volle Kraft voraus. Während der 1,5-stündigen Fahrt zum Riff wurden uns die nötigen Instruktionen gegeben und das Equipment ausgeteilt. Natürlich durfte auch hier der altbewährte Stingersuit nicht fehlen (Foto habt ihr ja schon gesehen). Dann endlich am Riff angekommen war da erstmal nix als Meeeeeeeer um unser Boot. Natürlich drängelte Sabrina und ich etwas, damit wir gleich ins Wasser konnten und lange drin bleiben konnten. Bei 80 Leuten rein und raus dauert das alles seine Zeit. Wir waren dann auch ziemlich bald im Wasser und das erste was ich dachte als ich eintauchte: WOW 🙂 Es war glasklar und die Sichtweite betrug mehr als 20 m, sodass wir die Taucher am Boden gestochen scharf erkennen konnten. Dann schwammen wir zu den Korallenbänken und was wir da sahen übertraf das Schnorcheln bei den Whitsunday Islands noch einmal. Die ganze Armada Fische von “Findet Nemo” am Start. Sabrina freute sich so sehr darüber, dass sie ständig Auftauchen musste, weil ihre Maske durch das Grinsen voll Wasser war. Also fix ausgeleert und Kopf wieder runter. Auch da schwamm wieder ein riesige Schildkröte direkt unter uns durch. Weiter draußen sahen wir einen Riffhai und andere Meeresbewohner, wie Squid (Kalamari), Makrelen und Barrakudas. Auch die Korallen waren sehr vielfältig und in vielen Farben vertreten. Leider konnten wir unter Wasser nur analog fotografieren, sodass ihr euch noch etwas gedulden müsst, da die Bilder erst in Deutschland entwickelt werden. Wir schnorchelten immer fein an der Kante zwischen Riff und weitem Ozean entlang. Es war einfach wunderbar am “Abgrund” zu schnorcheln. (War auch wieder wie im Film… ;-)) Das Wasser war mit 25-27°C auch richtig schön warm, sodass man nicht frieren konnte. Wir schnorchelten insgesamt ca. 5 Stunden an allen drei Riffen. Great Barrier Reef
Zwischendurch wurden wir immer an Bord mit Essen und Trinken versorgt, sodass die Fahrt zum jeweils nächsten Riff überbrückt wurde. Gegen 16:45 Uhr waren wir dann wieder zurück in Port Douglas. Mit dem Bus wurden wir dann wieder nach Cairns gebracht. Ein ereignisreicher und wunderschöner Tag ging zu Ende. Ach übrigens: Dieses Mal waren keine Deutschen außer uns an Bord. Das ist hier in Australien und besonders  an der Ostküste keine Selbstverständlichkeit.
Am Abend ging es dann wieder zurück auf unseren Campingplatz und erfreuten uns neuer Bekanntschaft mit unseren neuen Nachbarn (drei Belgier, eine Deutsche) mit der wir die nächsten zwei Abende lustig und gesellig verbrachten.

Am Morgen von Nicoles Abreise veröffentlichten wir unsere Anzeige zum Verkauf unseres geliebten Stanleys. Die Zeit war nun gekommen, um uns nach 5 Monaten von ihm zu trennen. Sechs Bundesstaaten hat er mit uns durchquert (insgesamt 18.585 km) und war immer bester Gesundheit. Als Belohnung dafür gab’s an dem Tag nach dem Schnorcheln eine richtig gute und gründliche Autowäsche. Immerhin bringt das noch mehr Erfolgspunkte bei den eventuellen Autokäufern, wenn er äußerlich schön ist. An der Waschanlage kam Sabrina mit dem Betreiber ins Gespräch und erfuhr, dass es doch grad gar keine gute Zeit für einen Autoverkauf sei. Die Saison soll angeblich seit Anfang Mai hier oben laufen, aber irgendwie werden die Touristen und Backpacker erst Ende Juni erwartet… Das gefiel unseren Ohren natürlich nicht. Aber “no worries”, wir hatten ja ein oder zwei Wochen eingeplant, Stanley wieder zu verkaufen. Immerhin war die Anzeige erst 2 Tage “online”. Sabrina erzählte mir die Sachen vom Waschanlagenbetreiber und meinte noch scherzhaft: “Ha, wäre ja cool, wenn jetzt während des Autowaschens jemand angerufen hätte und wir haben es nicht gehört.” Und wie sie so aufs Handy guckt sagt sie: “Uaah, ein Anruf in Abwesenheit und ne Mailbox-Nachricht.” Sogleich die Nachricht abgerufen, hören wir die Stimme von Curtis, der sich für Stanley interessiert. Zwei Minuten später war ein Treffpunkt vereinbart. Uah, das ging schnell. Ne Stunde später kam Curtis mit seiner Frau Melissa (beide 23 und aus Kanada) zum Treffpunkt und freuten sich, sooo ein tolles Auto zu sehen. Hm, wir wunderten uns schon ein bissl, warum sie so strahlten. Sie müssen vorher echt nur Schrott gesehen haben. Aber wir haben Stanley 5 Monate gepflegt und das war nun die Belohnung. Fünf Stunden später, es war Abendbrotszeit, bekamen wir von den Beiden die Antwort, dass sie Stanley kaufen wollen. Nach drei Tagen also haben wir Stanley nun zu nem guten Preis verkaufen können und können nun in den letzten Monat starten.
bye bye Stanley

Nun war die Frage, was wir noch so sehen wollten… Das Red Centre mit Alice Springs und den Uluru (Ayers Rock) und Darwin. Diese Orte waren nun in unseren Köpfen. Also flux mal im Internet nach Flügen geschaut. An sich waren sie ok, der gleiche Preis, wenn man heute oder morgen fliegt, oder auch erst in ner Woche… aber in der Überlegung, dass wir ja noch 30 Tage Zeit haben, schauten wir nochmal nach einem Mietwagen. Da uns der Christian, den wir im Januar in Perth getroffen haben, von “Relocation” erzählt hatte, versuchten wir unser Glück einfach mal damit. Relocation bedeutet einfach nur, dass wir einen Mietwagen von A nach B innerhalb einer bestimmten Zeit und mit begrenzten (oder auch unbegrenzten Kilometern) überführen müssen. Das Telefonieren und im Internetstöbern machte echt voll viel Spaß, Sabrina konnte sich wieder am Excel-Tabellen bauen (für den Preisvergleich) ergötzen und am Ende kommen wir richtig günstig davon, wenn wir einen “richtigen” Mietwagen genommen oder gar die Zeit im Hostel verbracht hätten.

Nun, wir haben uns für ein KEA-Wohnmobil (4 Bett) entschieden, das für 7 Tage Cairns nach Alice Springs so viel kostet, wie sonst nur ein Tag. What a Bargain! Nun fahren wir mit nem “Haus” incl. WC und Dusche und Küche und Wohnzimmer und Kühlschrank und Fernseher (Digital, analog und DVD-Player) durch das Outback. Es ist der Hammer. So macht das Reisen noch mehr Spaß. Ich glaub die nächste Steigerung nach Stanley und Zelt und Wohnmobil wäre dann ein Privat-Jet 😉 Man muss ja auch mal bissl Glück haben, ne?

Deal or No Deal? ein bissl Luxus für ein paar Tage

Also am 02.06. gleich früh zum KEA-Depot gefahren und nach kurzer Einweisung ging es dann los. Wir hatten eine Strecke von ca. 2250 km vor uns. Wir fuhren durch die Atherton Tablelands. Das ist ein Gebirgszug im Hinterland von Cairns mit Bergen von immerhin 1600 m Höhe. Es war ein grandioser Blick auf Cairns und die Küste. Für Übernachtungen stoppten wir an Roadhäusern (Raststellen) und kostenlosen Rastplätzen am Highway. Die waren meist ganz schön voll, da im Red Center jetzt Hochsaison ist. Grund dafür sind, die im Vergleich zum Hochsommer, kühlen Temperaturen. Am dritten Tag erreichten wir dann die Grenze zum Northern Territory, als unseren letzten Bundesstaat. Nun waren wir endgültig im Outback angekommen. Mit jedem Ort den wir erreichten nahm der Anteil an Aborigines zu. Der Höhepunkt war Tennant Creek, mitten im Outback. Alle Scheiben und Geschäfte waren mit Gittern verbarrikadiert und wir bekamen den Ratschlag dort nicht zu übernachten. Jetzt wussten wir auch warum. Am Abend auf unserem Rastplatz machten wir gleich wieder Bekanntschaft mit vier australischen Familien und genossen den Abend bei Bier und Wein am Feuer, irgendwo im nirgendwo. Es war einfach toll und der Sternenhimmel echt der Hammer. Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Alice Springs. Unsere Fahrt führte vorbei an den Devils Marbles (Teufelskugeln). Das sind riesige Granitkugeln, die nach Glauben der Aborigines die Eier der Regenbogenschlange sind. Auf dem Weg lag noch eine aboriginal Kunstgalerie, der wir auch einen kurzen Besuch abstatteten. Die Fahrt ging durch eine Landschaft gesäumt von Felsen, Grassteppe und rotem Sand. Zu unserer Verwunderung war das Outback aber nicht total baumlos und trocken, sondern fast grüner als manche Landstriche Westaustraliens.

Artherton Tablelands die Grenze zum Northern Territoryauf der Fahrt... ... unendliche Weiten ... nix
hin und wieder ein Road Train, der bis zu 53,50m lang werden kann ... 10 Autos Wie verhalte ich mich, wenn ich einen Road Train sehe?

Dann kamen wir in Alice Springs an und der erste Eindruck von der Stadt war gar nicht so schlecht wie ihr Ruf. Trotz alledem saßen an allen Ecken und Plätzen Aborigines herum und besoffen sich. Aber egal wir sind da mal ganz voreingenommen. In einer Touri Broschüre lasen wir, dass man hier Alkohol nur zu bestimmten Zeiten, einmal am Tag und nur unter Vorlage eines Ausweises Alkohol bekommt. Es wird außerdem nur die Menge verkauft, die man alleine trinken kann. Wer es glaubt wird seelig!!
Auf der einen Art werden die Aborigines und deren Kunst und Kultur in höchstem Maße vermarktet, auf der anderen Seite werden sie gehasst. Vom Staat bekommen sie richtig viel Geld, müssen deshalb nicht arbeiten und können sich den ganzen Tag besaufen. Schon echt krass…

Nun waren wir an dem Punkt für unsere Uluru-Tour (Ayers Rock) einen fahrbaren Untersatz zu suchen. Unser Gespür führte uns zu einem lokalen Reisebüro. Die hatten ein Special, wo man einen Campervan auch für drei Tage mieten konnte. Bei allen anderen Vermietern sind fünf Tage Minimum Mietdauer. Also buchten wir das Angebot und werden die nächsten vier Tage den Uluru, Kings Canyon, die Olgas und die West MacDonnells Ranges besuchen.

So jetzt müssen wir noch den KEA Camper abgeben. Mehr zu unserer kleinen Rundreise am Red Centre erfahrt ihr im nächsten Blogeintrag. Bis dahin bleibt schön gesund und treue Leser. Geniest die Sonne in Deutschland, die es ja nun endgültig geschafft zu haben scheint.

1 comment to Vom Regenwald ins Red Centre

  • Melanie

    Ach, es ist herrlich euren Erzählungen zu folgen. Ich bekomme so langsam das Gefühl, selbst Australien bereist zu haben. Es macht echt Riesenspaß eure Reiseroute nachzulesen. Vielen Dank!
    Genießt die übrigen Tage und haut weiter ordentlich in die Tasten. Ich freu mich!
    Es grüßt euch lieb aus dem heiß-schwülen München
    Eure Mela